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Hilfe, WD-40 auf die Scheibenbremse gesprüht! Was soll ich tun?

Aktualisiert am 13. September 2022 | Lesezeit 7 Minuten

Abgesehen davon, dass WD-40 die Reibung zwischen zu fest angezogenen Teilen verringert, herrscht eine weit verbreitete Fehleinschätzung und Verwirrung darüber, ob diese „einzigartige, spezielle Schmierstoffmischung“, wie sie von der Firma bezeichnet wird, auch für Scheibenbremsen verwendet werden kann.

Wie der Titel dieses Beitrags schon sagt, dürfen Sie niemals nie die Bremsen Ihres Fahrrads mit WD-40 behandeln, da die Bremswirkung gegen Null geht. Das gilt insbesondere für Scheibenbremsen mit Bremsscheibe aber auch für Felgenbremsen.

Doch einmal nicht aufgepasst, schon ist das Malheur passiert: WD-40 ist trotz aller Vorsicht – oder eben aus Unwissenheit – auf die Scheibenbremse gelangt. Jetzt sollte man schnell handeln. In diesem Beitrag erklären wir, was passiert, wenn WD-40 mit Ihrem Bremssystem in Berührung kommt und mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Bremse vielleicht doch noch retten können. Los gehts.

Was passiert, wenn WD-40 auf eine Scheibenbremse gesprüht wird?

WD-40 ist ein Entfetter. Das Kürzel „WD“ steht für Wasserverdrängung. Der Entfetter wirkt, indem er Feuchtigkeit aus dem besprühten Teil entfernt. Jedes Schmiermittel, Öl oder Fett, das auf die Bremsen gesprüht wird, verringert die Reibung auf dem Teil. Im Falle einer Scheibenbremse, die nur durch entsprechende Reibung von Bremsbelag auf der Bremsscheibe funktioniert, wird sie praktisch unbrauchbar.

Außerdem vermindert das Mittel erheblich die Wirksamkeit der Bremskraft der Bremsbeläge. Das bedeutet, dass der Bremsweg bei jeder Fahrt viel länger sein wird als üblich. Abgesehen vom Verlust der Reibung setzt eine halbfette Lösung wie WD-40 die Bremsen auch einer weiteren Verschmutzung aus.

Je nachdem, wie viel Sie auf Ihre Scheibenbremsen gesprüht haben, können Sie Ihr Bremssystem vielleicht noch retten – oder auch nicht. Manche Leute empfehlen, die Bremsen komplett zu ersetzen, da sie ihre frühere Wirksamkeit nicht mehr erreichen – egal was Sie tun.

Auch wenn ein Austausch in diesem Fall die beste Lösung ist, gibt es einige Möglichkeiten, das Bremssystem Ihres Fahrrads wieder voll leistungsfähig zu machen. Beachten Sie, dass dies nur möglich ist, wenn Sie nicht zu viel des Entfetters auf Ihre Bremse gesprüht haben.

Auf keinen Fall Bremse betätigen

Etwas, was Sie auf keinen Fall tun dürfen, ist danach die Bremse zu betätigen, oder gar mit dem Fahrrad herumzufahren, da sonst das WD-40 tief in die Bremsbeläge eindringt. Dann sind sie nur sehr schwer oder gar nicht mehr sauber zu bekommen.

Wie entfernt man WD-40, das versehentlich auf die Scheibenbremsen gesprüht wurde?

Entgegen der landläufigen Meinung ist das Bremssystem Ihres Fahrrads nicht völlig außer Kraft gesetzt, wenn Sie nur eine kleine Menge davon auf Ihre Bremsen gesprüht haben. Bevor Sie daran denken, die  fettverschmierten Bremsen wegzuwerfen und neue zu kaufen, können Sie versuchen, Ihre Bremsen noch zu retten.

Folgende Methoden können Sie anwenden, um Ihre Scheibenbremsen nach der Verwendung von WD-40 wieder in Gang bringen.

  • Mit Alkohol einreiben
  • Mit Bremsenreiniger behandeln
  • Waschen und schrubben
  • Erhitzen oder Abfackeln

Mit Alkohol einreiben

Alkohol entfernt effektiv jedes Öl, Fett oder Schmiermittel, das wie auch WD-40 Lösungsmittel enthält. Dazu demontieren Sie zunächst die Bremsbeläge von der Scheibenbremse. Nehmen Sie ein sauberes Tuch und geben Sie Alkohol darauf. Sie können auch Alkoholpads verwenden.

Wischen Sie die Bremsscheibe der Scheibenbremsen und die Bremsbeläge damit gründlich ab. Bevor Sie die Bremse wieder am Fahrrad montieren, stellen Sie sicher, dass sie vollständig trocken ist. Es kann auch hilfreich sein, die Bremsklötze vor dem erneuten Gebrauch abzuschleifen.

Dies ist vielleicht die einfachste Methode, um das gesamte Entfettungsmittel, das in Ihre Bremsen gelangt ist, wieder loszuwerden. Es kann jedoch sein, dass sie bei Scheibenbremsen nicht funktioniert, wenn sie zuviel WD-40 auf die Bremsen gesprüht haben.

Felgenbremsen: Die Methoden funktionieren genauso für die inzwischen selten gewordene Felgenbremse. Haben Sie WD-40 nur auf die Felgenflanke des Fahrrads gesprüht, ist das in der Regel nicht schlimm. Verfahren Sie bei der Alkohol-Methode und bei den nachfolgenden Methoden einfach genauso bei der Felsenflanke statt der Bremsscheibe.

Bremsenreiniger

Sie können versuchen bei Scheibenbremsen, das gesamte WD-40 auf der Bremsscheibe mit Bremsenreiniger zu behandeln. Bedenken Sie, dass Sie möglicherweise mehrere Dosen des Reinigers benötigen, bis das gesamte schmiermittelähnliche Lösungsmittel aus Ihren Bremsen raus ist. Bremsenreiniger sind überall erhältlich und können in jedem Baumarkt gekauft werden.

Hiervon gibt es zwei Arten. Nicht Chlorhaltige Bremsenreinigungssprays sind zwar wirksam, aber im Gegensatz zu den chlorhaltigen, die Kohlenwasserstoffe enthalten, brennbar. Denken Sie daran, vor der Verwendung von Bremsenreinigern Handschuhe zu tragen und angemessene Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, da sie hochgiftig und in einigen Fällen auch entflammbar sind.

Daher ist es am besten, den Bremsenreiniger in einem offenen und belüfteten Raum zu verwenden.

Bei Bremsscheiben sprühen Sie die komplette Scheibe mit Bremsenreiniger ein und wischen Sie sie danach trocken. Enfernen Sie vor der Behandlung die Bremsbeläge. Sprühen Sie nicht die Bremsbeläge mit Bremsenreiniger ein.

Grund: Die Lösungsmittel in den Mitteln verdünnen nur das WD-40 in den Belägen, entfernen es aber nicht. Ein Entfernen ist nur durch sogenanntes „Ausbrennen“ möglich (weiter unten erklärt).

Waschen und schrubben

Diese Methode ist zwar weniger effektiv, kann aber eine weitere Möglichkeit sein, das Mittel wieder loszuwerden, wenn Sie nur wenig davon auf Ihre Bremsen gesprüht haben. Verwenden Sie dazu warmes Wasser und Seifenreiniger.

Schrubben Sie gründlich, um die fettigen Chemikalien von Bremsscheibe sowie von den Bremsbelägen abzuwaschen. Verwenden Sie anschließend genügend Wasser, um die Reinigungslösung abzuspülen, und lassen Sie sie danach ein paar Stunden vollständig trocknen.

Nach dem Trocknen verwenden Sie vorsichtig eine Acetonlösung, um das restliche WD-40 zu entfernen. Passen hierbei auf, dass kein Aceton auf den Lack vom Rahmen gerät, da es die Lackschicht anlösen kann. Für den letzten Schritt können Sie auch Alkoholpads verwenden.

Haben Sie zuviel WD-40 auf die Bremsbeläge gebracht, dann ersetzen Sie besser zur eigenen Sicherheit die Beläge, da das Mittel zu tief in die Poren eingedrungen ist.

Auf die harte Tour – Erhitzen oder Abfackeln

Wenn Sie WD-40 für Ihre Scheibenbremse verwendet haben und Anzeichen einer starken Verunreinigung der Bremsbeläge durch den Entfetter feststellen, könnte dies eine ungewöhnliche, aber höchst effektive Möglichkeit sein, Ihre Bremse zu retten. Achtung! Folgende Varianten sind nur für die Bremsbeläge geeignet.

Mit einem Heißluftfön

Das ist die am besten geeignetste Methode, dauert allerdings auch am längsten. Benötigt wird ein Heißluftfön, der etwa 350°C erzeugen kann. Es kann, je nach Verunreinigungsmenge, einige Zeit dauern, bis Sie die Beläge auf Temperatur gebracht haben und das WD-40 verbrennt. Der Vorgang sollte in etwa 7 bis 12 Minuten erledigt sein.

Stellen Sie dazu am besten den Fön senkrecht auf eine feste Unterlage. Halten Sie dann den Bremsbelag mit der Trägerseite nach unten einige Zentimeter über den Heißluftföhn. Verwenden Sie zum Halten des Belags am besten eine Zange. DIe Verunreinigungen beginnen nun langsam an der Oberfläche des Belags nach oben hin zu verdunsten. Es kann dabei auch leicht zu qualmen anfangen.

Das Ausbrennen mit dem Heißluftfön sollte unbedingt im Freien gemacht werden, da bei diesem Prozess giftige Gase entstehen. Das Tragen eines Atemschutzes wird wegen der ebenfalls starken Geruchsentwicklung empfohlen.

Keine Herdplatte oder Backofen nehmen

Verwenden Sie keine Herdplatte oder Backofen zum Ausbrennen der Bremsbeläge von der Scheibenbremse. Diese Methoden werden hauptsächlich von Laien empfohlen, können aber in Verbindung mit Lebensmitteln stark gesundheitsschädigend sein, wenn danach nicht gründlich gereinigt und entlüftet wird.

Notlösung: Mit einem Metallfeuerzeug

Auf Reisen, längeren Touren oder wenn gerade keine Möglichkeit besteht, an einen Heißluftföhn zu kommen, kann dies ein gangbarer Weg sein.

Erhitzen Sie mit dem Metallfeuerzeug den Bremsbelag mit der Trägerseite nach unten aus geringer Entfernung um die Chemikalien vom WD-40 zu verbrennen.

Warnung

  1. Halten Sie den Bremsbelag auf keinen Fall direkt in die Flamme, da hierbei zu hohe Temperaturen entstehen, die den Belag von der Trägerplatte ablösen können.
  2. Verwenden Sie auf keinen Fall ein Feuerzeug aus Kunststoff, da dieses schnell überhitzen und schmelzen kann. Es besteht außerdem Explosionsgefahr, wenn der Kunststoff zu brennen anfängt.

Am besten geeignet sind sogenennte Sturmfeuerzeuge aus Metall, die von selbst brennen, sobald man sie öffnet. Statt einem Metallfeuerzeug, können Sie auch die Flamme aus einem Campingkocher nehmen.

Zum Schluss – Ausgiebig testen

Wenn Sie nach der Reinigung die Bremsbeläge wieder in die Bremssättel und diesen an die Bremsscheibe eingebaut haben, schieben Sie das Fahrrad und betätigen die Bremse um einen ersten Eindruck zu bekommen, ob die Bremse wieder greift.

Wenn das Ergebnis zufriedenstellend ist wiederholen Sie den Versuch aus einer Geschwindigkeit von etwa 15 bis 20 km/h. Wenn auch dieser Versuch positiv ausfällt, haben Sie Ihre Scheibenbremse gerettet. Die erneute Funktion der Bremse ist sichergestellt.

Wenn keine Methode hilft

Wenn keine der vorgestellten Methode Abhilfe bringt (Bremsen greifen wieder wie gewohnt), müssen Sie leider wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und die Bremsbeläge ersetzen. In den meisten Fällen reicht es, nur die Bremsbeläge ersetzen. Bremsscheibe bzw. Felgenflanke des Fahrrads sollte mit Bremsenreiniger sauber zu bekommen sein.

Fazit

WD-40 ist ein vielseitiger Entfetter, der sich zum Lösen festgezogener Muttern und festsitzender Schrauben eignet. Außerdem schmiert es auch effektiv Metallteile und bildet einen Schutz vor erneuter Rostbildung.

Viele Leute wissen nicht, welche Teile bei einer schwergängigen Bremse klemmen. Deshalb sprühen sie aus dieser Unwissenheit oft großzügige Mengen von WD-40 auf ihre Scheibenbremse – genauso wie sie es auch mit anderen Teilen ihres Fahrrads tun. Erst wenn das Ergebnis dann sichtbar wird, stellen sie sich die Frage, ob man dieses Mittel überhaupt für Fahrradbremsen verwenden kann.

Oder sie versuchen, schwergängige Mechanik an Teilen des Fahrrads wieder freizubekommen und sprühen – aus Versehen – auch damit ihre Bremsen ein. Auf Scheibenbremsen und Felgenbremsen sollte man WD-40 jedoch niemals nie verwenden, da es die Funktion der Bremse weitgängig außer Kraft setzt.

Ist das Malheur dann doch einmal passiert, hilft nur es nur noch die Bremse mit verschiedenen Methoden zu retten. Wenn jedoch keine der nachfolgenden genannten Lösungen funktioniert und Ihre Fahrradbremsen immer noch nicht greifen, müssen Sie sie leider ersetzen. Meist müssen Sie jedoch nur die Bremsbeläge, nicht aber die Bremsscheibe erneuern.

Disclaimer / Warnung

Die Durchführung aller hier gegebenen Hinweise an Scheibenbremsen oder Felgenbremsen erfolgt auf eigene Gefahr! Wenn Sie sich unsicher sind, ersetzen Sie zu ihrer eigenen Sicherheit die Bremsbeläge. Bremsen am Fahrrad sind ein hoch sicherheitskritisches Bauteil und erlauben keine Fehler.